Allgemeines zum Leitzins

Der Leitzins (engl. prime rate) stellt eines der wichtigsten Instrumente zur Steuerung und Regulierung des Marktes für Geld und Kapital dar. Er gibt an, zu welchem Zinssatz sich in den verschiedenen Ländern die unterschiedlichen Kreditinstitute bei den jeweils zuständigen Zentralbanken wie etwa der Europäischen Zentralbank (EZB) oder der US-Notenbank Federal Reserve (FED) Geld leihen können. Der Leitzins wird dabei von der jeweiligen Zentralbank selbst festgelegt und soll das allgemeine Zinsniveau und des Weiteren auch die Preisentwicklung kontrollieren, kann in manchen Ländern, wie etwa des USA oder Japan aber auch die Entwicklung der gesamten Wirtschaft beeinflussen. Da den Zentralbanken in der Regel die Aufgabe zukommt, die Geldpolitik und Währungspolitik innerhalb eines Staates oder auch Währungsraumes zu stabilisieren und zu regulieren und sie zudem die Währungsreserven besitzen, auf welche im Notfall von Banken und Staat zurückgegriffen werden kann, kommt hier dem Leitzins eine entsprechend hohe Bedeutung zu.

Anhebung des Leitzinses

Eine Anhebung des Leitzinses erfolgt im Allgemeinen in Zeiten, in welchen die Wirtschaft einen stabilen Aufschwung verzeichnen kann. Hier bedeutet der erhöhte Leitzins eine Einschränkung der Geldpolitik, welche eine möglicherweise drohende Inflation vorbeugen soll. Wer innerhalb des Zeitraumes, in welchem diese Maßnahme angewandt wird, einen Kredit aufnehmen möchte, muss mit deutlich höheren Kosten durch entsprechend höhere Zinsen rechnen. Demgegenüber kann, wer im selben Zeitraum Geld spart, hier höhere Guthabenzinsen verzeichnen. Die logische Konsequenz dieses Vorgehens ist, dass Unternehmen ihre Investitionen beschränken und private Verbraucher weniger Kredite aufnehmen, um stattdessen ihr Geld lieber anzusparen. Anleger bevorzugen in dieser Zeit auch vermehrt Anleihen gegenüber Aktien, da erstere besser verzinst werden und zudem auch die Kursentwicklung langfristig besser zu überschauen ist. Es lässt sich also folgern, dass den positiven Effekten einer Anhebung des Leitzinses als negative Folge die einschränkende Wirkung auf das Wachstum der Wirtschaft zu nennen ist.

Senkung des Leitzinses

Eine Senkung des Leitzinses hat in erster Linie den Zweck, die Wirtschaft anzukurbeln. Sie führt zu einer Ausweitung der Geldpolitik, welche eine Vergünstigung der Kredite nach sich zieht und so die Konjunktur anregt. In der Wirtschaft zeigen sich positive Effekte vor allem dadurch, dass Investitionen für Unternehmen wieder attraktiver werden. Für die privaten Verbraucher führt diese Entwicklung zu einer Verbilligung der Kredite, was sich wiederum sehr positiv auf das Konsumverhalten auswirkt. Im Gegensatz zur Zinshebung, bei der sich langfristige Geldanlagen bezahlt machen, erfährt bei einer Senkung des Leitzinses auch der Aktienhandel wieder erhöhten Zuspruch. Als negativer Aspekt lässt sich nennen, dass in dieser Phase die Spareinlagen weniger Profit abwerfen, da die Zinsen in der Regel niedriger sind.

Eine Veränderung des Leitzinses zieht immer auch ein entsprechend verändertes Verhältnis zum Leitzins anderer Länder und Währungsräume nach sich, was sich vor allem in den jeweiligen Landeswährungen niederschlägt. So wirkt sich etwa eine Senkung des Leitzinses in den USA negativ für den Dollar (durch eine Erhöhung der Geldmenge), jedoch positiv auf den Euro aus (Umschichtung zu Euro Anlagen), was sich dementsprechend auch deutlich auf den Import und Export auswirken kann. Der Leitzins setzt sich im europäischen Währungsraum unter anderem aus dem Hauptrefinanzierungssatz (Main Refinancing Operations) und dem Spitzenrefinanzierungssatz (Marginal Lending Facility) sowie dem Einlagesatz (Deposit Facility) zusammen, während in den USA die Federal Funds Rate und in England die Repo Rate diese Aufgabe erfüllen.

Hauptrefinanzierungssatz

Wird ein Hauptrefinanzierungsgeschäft durchgeführt bedeutet dies, dass Geschäftsbanken innerhalb eines zeitlich begrenzten Rahmens Wertpapiere, auch notenbankfähige Sicherheiten genannt, gegen Geld der Zentralbank eintauschen. Durch die Maßnahme des Hauptrefinanzierungsinstruments bietet die EZB den Geschäftsbanken etwa drei Viertel des Refinanzierungsvolumens. All jene Geschäfte, welche durch dieses Instrument erledigt werden, werden gewöhnlicherweise auch als Haupttender bezeichnet. Des Weiteren sind diese Geschäfte auch als Wertpapierpensionsgeschäfte bekannt, was bedeutet, dass ein Besitzer von Wertpapieren, in diesem Zusammenhang eine Bank, einem anderen, hier die Zentralbank, diese für einen zuvor festgelegten Zeitraum verkauft, wobei hier eine Verpflichtung zum Rückkauf inbegriffen ist. Der Hauptrefinanzierungssatz stellt hierbei jenen Zinssatz dar, der diesen Wertpapierpensionsgeschäften als Leitwert dient und ist daher auch der wichtigste Leitzins der EZB, da so auch eine direkte Einflussnahme auf die Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt ausgeübt wird. Die Geschäftsbanken finanzieren den Hauptrefinanzierungssatz über ihre eigenen Geschäfte, im nämlichen durch die von ihnen vergebenen Kredite und Wertpapiere. Dies erklärt, warum nach einer Anhebung des Hauptrefinanzierungssatzes die Zinsen der Geschäftsbanken sich dieser Korrektur nach oben anpassen.

Spitzenrefinanzierungssatz

Der Spitzenrefinanzierungssatz stellt den Zinssatz der Spitzenrefinanzierungsfazilität dar. Mit dieser Maßnahme wird es den Geschäftsbanken im Währungsraum des Euros möglich gemacht, sich äußerst kurzfristig und sozusagen über Nacht Geld bei der EZB zu leihen. Dabei verpfänden die Geschäftsbanken notenbankfähige Sicherheiten, also Wertpapiere, um so auf rasche und unkomplizierte Art Geld zu erhalten. Den Preis, welchen die Banken dabei für die kurzfristige Geldleihe zahlen, bestimmt der Spitzenrefinanzierungssatz. Da diese Transaktionen nur eine kurze Frist umfassen und meist recht plötzlich vonstatten gehen, werden sie auch Übernachtkredit oder Overnight-Money genannt. Hauptgrund für Geschäfte dieser Art ist die Vermeidung von Engpässen in der Liquidität, weshalb Spitzenrefinanzierungsfazilitäten jederzeit und ohne eine Begrenzung der Summe in Anspruch genommen werden können.

FOREX Glossar

Einlagesatz (Deposit Facility)

Die Einlagefazilität bietet den Geschäftsbanken im Euroraum die Möglichkeit, Geld, welches von diesen im betreffenden Moment nicht benötigt wird, bei der Zentralbank anzulegen. Der Einlagesatz setzt dabei die Höhe der Verzinsung jener Einlagen fest. Da auch hier in der Regel kurze Fristen vorherrschen, wird für Transaktionen dieser Art ebenfalls die Bezeichnung des Übernachtkredit oder Overnight-Money verwendet. Die Einlagefazilität stellt vor allem die Möglichkeit dar, Liquiditätsüberschüsse zu verhindern, indem Gelder veranlagt werden können. Des Weiteren erfüllt diese auch eine geldpolitische Funktion, da so auf die Zinspolitik am Markt Einfluss genommen werden kann. Denn Geschäftsbanken können auch über den Geldmarkt Übernachtanlagen vornehmen, diese werden allerdings höher verzinst als bei der Einlagefazilität, um die Attraktivität des Geldmarktes zu erhöhen. Der Einlagesatz stellt die Untergrenze für alle Zinsen dar, die bei Übernachteinlagen erhoben werden können.

Federal Funds Rate - USA

Die Federal Funds Rate bezeichnet jenen Zinssatz, zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen, um der gesetzlichen Verpflichtung der Mindestreserve gegenüber der Zentralbank nachzukommen. Dies stellt im amerikanischen Bankenwesen eine täglich vonstatten gehende Transaktion dar und wird daher auch als Overnight Credit bezeichnet. Die Federal Funds Rate, der auch als Fed Rate bekannt ist, wird dabei vom Federal Open Market Comitee (FOMC) festgelegt, welches damit bestimmte Ziele verfolgt und die amerikanische Geldpolitik regelt. Wird die Federal Funds Rate erhöht, verteuert sich auch die Aufnahme eines Kredites bei anderen Banken und scheint somit wenig attraktiv. Sinkt diese jedoch, leihen sich Banken eher gegenseitig Geld, was zu einer Ankurbelung der Wirtschaft führt. Die Federal Fund Rate dient als Instrument der Regulierung der amerikanischen Wirtschaft, was somit bis zu einem gewissen Grad auch zu einer gegenseitigen Abhängigkeit zwischen jener und der Weltwirtschaft führt, da eine Änderung sich auch direkt auf den Wert des US-Dollars auswirkt.

Repo Rate (auch Bank of England Base Rate) - England

Bei der Repo Rate handelt es sich um eine kurzfristige Geldbeschaffung durch eine reglementierte Rückkaufvereinbarung. Dabei legt die Repo Rate jenen Zinssatz fest, zu welchem diese Geschäfte durchgeführt werden. Auch hier gilt das Hauptinteresse der beständigen Stabilisierung des Geldmarktes und einem Eingreifen in wirtschaftliche Entwicklungen. Ebenso wie andere nationale Leitzinsen bestimmt auch die Repo Rate die Höhe des Zinssatzes, zu welchem sich Banken bei der Zentralbank innerhalb kurzer Fristen Geld leihen können.

Auswirkungen

Allgemein stellt ein Leitzins also einen wichtigen Faktor innerhalb der Geldpolitik dar und dient bei vielen geschäftlichen Vorhaben als maßgebliche Orientierungsmarke. Dass die Veränderungen eines Leitzinses große Auswirkungen auf die allgemeine wirtschaftliche Lage haben kann, hat sich in den letzten Jahren gezeigt. Im alltäglichen Devisenhandel bewirken Leitzins-Änderungen durchaus Sprünge von mehreren hundert PIPS oder gar eine komplette Trendwende. Die unterschiedlichen Leitzinssätze sind ebenso Ursache für die anfallenden Swap-Gebühren.

Professionell traden 200 EUR CashBack sicher - jetzt einsteigen!